Bio-Zertifizierung im Catering: Kontrollnummer, Siegel und wie Sie echte Bio-Caterer erkennen
Redaktion sustainable-catering.eu · Stand 19. Oktober 2026
Ein Caterer darf Speisen, Zutaten oder einen Bio-Anteil nur dann als „Bio“ oder „Öko“ bewerben, wenn er von einer staatlich zugelassenen Öko-Kontrollstelle kontrolliert wird und ein gültiges Zertifikat besitzt. Für Catering, Kantinen und Restaurants regelt das seit dem 5. Oktober 2023 die Bio-Außer-Haus-Verpflegung-Verordnung (Bio-AHVV). Prüfen können Sie das ganz praktisch: Lassen Sie sich das Zertifikat zeigen, achten Sie auf die Codenummer der Kontrollstelle im Format DE-ÖKO-xxx und darauf, ob das Zertifikat gültig ist und die angebotenen Speisen abdeckt.
Die Rechtsgrundlagen im Überblick
Bio ist in der EU ein geschützter Begriff. Die Begriffe „Bio“, „Öko“ und „aus ökologischem Landbau“ dürfen nur für Erzeugnisse verwendet werden, die nach den Regeln des ökologischen Landbaus hergestellt und kontrolliert wurden. Für das Catering greifen mehrere Regelwerke ineinander:
| Regelwerk | Gilt für | Kernpunkt |
|---|---|---|
| Verordnung (EU) 2018/848 | Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Import | EU-weite Bio-Regeln, anwendbar seit 1. Januar 2022. Die Gemeinschaftsverpflegung ist ausgenommen, die Mitgliedstaaten können eigene Regeln erlassen. |
| Öko-Landbaugesetz (ÖLG) | Deutschland | Nationale Durchführung, Zuständigkeiten, Kontrollsystem |
| Bio-AHVV (BGBl. 2023 I Nr. 265) | Außer-Haus-Verpflegung: Catering, Kantinen, Mensen, Restaurants | Bio-Kennzeichnung von Zutaten und Speisen, Bio-Anteil mit Logo in Gold, Silber oder Bronze, Kontrolle, Veranstaltungszertifikat |
| Öko-Kennzeichengesetz | Deutschland | Staatliches Bio-Siegel (Sechseck), freiwillig |
Für Sie als Auftraggeber heißt das: Ein Caterer, der Bio anbietet, unterliegt der Bio-AHVV und braucht dafür ein eigenes Zertifikat. Dass er Bio-Ware einkauft, reicht nicht. Die Lieferanten müssen ebenfalls zertifiziert sein, das prüft die Kontrollstelle beim Caterer mit.
Wann braucht ein Caterer ein Bio-Zertifikat?
Die Zertifizierungspflicht beginnt in dem Moment, in dem der Betrieb mit Bio wirbt. Das betrifft die Speisekarte, das Angebot, die Website, Buffetschilder und Flyer. Die Bio-AHVV unterscheidet drei Arten der Auslobung:
- Einzelne Zutaten, zum Beispiel „Kartoffeln aus ökologischer Landwirtschaft“.
- Speisen oder Produkte, die als Bio gekennzeichnet werden.
- Der Bio-Anteil am gesamten Wareneinkauf eines Betriebs, ausgewiesen mit dem staatlichen AHV-Logo in drei Stufen (§ 8 Bio-AHVV): Bronze bei 20 bis 49 %, Silber bei 50 bis 89 %, Gold bei 90 bis 100 %.
Für alle drei Varianten gilt: Ohne gültiges Zertifikat ist die Kennzeichnung nicht zulässig (§ 3 Abs. 1 Bio-AHVV). Die Kontrollstelle kontrolliert jeden zertifizierten Betrieb mindestens einmal im Jahr, Folgekontrollen sind in der Regel unangekündigt (§ 13 Bio-AHVV).
Eine eingeschränkte Ausnahme gibt es für Kitas und Schulen, die Speisen in der eigenen Küche für den Eigenbedarf zubereiten. Sie dürfen Bio-Zutaten unter bestimmten Bedingungen ohne Zertifikat kennzeichnen. Wollen sie den Bio-Anteil mit dem AHV-Logo ausweisen, brauchen auch sie ein Zertifikat (§ 3 Abs. 3 Bio-AHVV). Für Event-Caterer spielt diese Ausnahme keine Rolle.
Sonderfall: Bio für eine einzelne Veranstaltung
Für Festivals, Messen oder Großveranstaltungen gibt es das Veranstaltungszertifikat (§ 14 Bio-AHVV). Es gilt für Veranstaltungen mit einer Dauer von höchstens zwei Monaten. Der Betrieb muss die Veranstaltung mindestens vier Wochen vorher bei einer zugelassenen Kontrollstelle und der zuständigen Behörde anmelden. Für eine Hochzeit oder Firmenfeier ist das in der Praxis selten nötig, weil Bio-Caterer meist ohnehin dauerhaft zertifiziert sind.
Die Kontrollnummer lesen: DE-ÖKO-0xx
Auf Bio-Zertifikaten und auf vorverpackten Bio-Produkten steht die Codenummer der zuständigen Kontrollstelle. Sie ist immer gleich aufgebaut:
| Bestandteil | Bedeutung |
|---|---|
| DE | Ländercode Deutschland |
| ÖKO | Bezug zum ökologischen Landbau |
| 001, 006, 039 … | Dreistellige Nummer der Kontrollstelle |
Wichtig: Die Nummer steht für die Kontrollstelle, nicht für den einzelnen Caterer. In Deutschland arbeiten mehrere private Kontrollstellen. Sie werden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zugelassen, die die Codenummer vergibt, und von den Behörden der Bundesländer überwacht. Welcher Betrieb kontrolliert wird, steht auf dem Zertifikat selbst: Firmenname, Anschrift, Kontrollstelle mit Codenummer, Geltungsbereich und Gültigkeitszeitraum.
Bio-Siegel im Catering: Was bedeutet was?
| Zeichen | Wer vergibt es? | Bedeutung im Catering |
|---|---|---|
| EU-Bio-Logo (Blatt aus Sternen) | EU, Pflicht auf vorverpackten EU-Bio-Lebensmitteln | Mindestens 95 % der landwirtschaftlichen Zutaten aus Bio-Erzeugung. Taucht beim Caterer vor allem auf eingekauften Produkten auf. |
| Staatliches Bio-Siegel (Sechseck) | Deutschland, freiwillig | Gleicher Standard wie das EU-Bio-Logo. In der Außer-Haus-Verpflegung nur mit direktem Bezug auf Bio-Zutaten zulässig. |
| Bio-AHV-Logo Gold, Silber, Bronze | Deutschland, nach Bio-AHVV | Zeigt den Bio-Anteil am gesamten Wareneinkauf eines Betriebs, nicht den einzelner Gerichte. |
| Verbandszeichen (z. B. Bioland, Naturland, Demeter) | Private Anbauverbände | Eigene Richtlinien, die in vielen Punkten über das EU-Recht hinausgehen. Setzt eine Bio-Zertifizierung voraus. |
Ein „Gold“-Caterer kauft also zu mindestens 90 % des Warenwerts Bio-Lebensmittel ein. Ein Betrieb mit Bronze-Logo kann trotzdem einzelne Gerichte komplett in Bio-Qualität anbieten. Fragen Sie im Zweifel nach, was genau Bio ist. Mehr zur Rolle des Logos in Kantinen und Mensen lesen Sie im Ratgeber Bio in der Kantine.
Checkliste: So prüfen Sie einen Bio-Caterer
- Zertifikat anfordern: Seriöse Bio-Caterer schicken das aktuelle Zertifikat ohne Umstände, oft steht es auf der Website.
- Firmenname und Anschrift abgleichen: Das Zertifikat muss auf genau den Betrieb ausgestellt sein, der Ihr Catering liefert, nicht auf einen Lieferanten.
- Gültigkeit prüfen: Achten Sie auf den Gültigkeitszeitraum. Ein abgelaufenes Zertifikat ist ein deutliches Warnsignal.
- Geltungsbereich lesen: Deckt das Zertifikat einzelne Zutaten, Speisen oder einen Bio-Anteil ab? Welche Stufe ist ausgewiesen?
- Angebot konkret machen: Lassen Sie im Angebot auflisten, welche Komponenten in Bio-Qualität kommen, oder welcher Bio-Anteil für Ihr Menü gilt.
- Bio-Zusage schriftlich festhalten: Die vereinbarte Bio-Qualität gehört in Auftragsbestätigung oder Vertrag.
- Bei Unklarheiten nachfragen: Bei Zweifeln an einem Zertifikat können Sie sich an die auf dem Zertifikat genannte Kontrollstelle wenden.
Weitere Fragen für das Vorgespräch, etwa zu Allergenen, Personal und Storno, finden Sie in unserer Checkliste zur Caterer-Auswahl.
Typische Missverständnisse
„Natürlich“, „naturnah“ oder „aus der Region“ sind kein Bio. Diese Begriffe sind nicht geschützt. „Regional“ kann sinnvoll sein, sagt aber nichts über Pflanzenschutz, Tierhaltung oder Kontrolle aus. Was hinter regionalen Versprechen steckt, erklärt der Ratgeber regionales Catering.
Der Bio-Anteil gilt für den Betrieb, nicht für Ihr Menü. Ein Silber-Logo bedeutet, dass der Caterer übers Jahr gerechnet 50 bis 89 % seines Wareneinkaufs in Bio bezieht. Ihr Menü kann darüber oder darunter liegen.
Bio-Ware einkaufen heißt nicht Bio-zertifiziert sein. Auch ein Caterer, der im Bio-Großhandel einkauft, darf ohne eigenes Zertifikat nicht mit Bio werben.
Was kostet Bio-Catering?
Bio kostet mehr, weil die Rohware teurer ist. Als Richtwert in unserem Kostenmodell gilt: Ein Bio-Anteil von etwa 30 % erhöht den Preis pro Person um rund 10 bis 15 %, ein komplett biologisches Menü um etwa 20 bis 35 %. Vegetarische und vegane Menüs können einen Teil davon ausgleichen. Typische Spannen je Menüart und Spartipps finden Sie im Ratgeber Was kostet Bio-Catering?. Zertifizierte Anbieter in Ihrer Stadt finden Sie im Caterer-Verzeichnis.
Häufige Fragen
Darf ein Caterer ohne Zertifikat „Bio“ auf die Speisekarte schreiben?
Nein. Wer in der Außer-Haus-Verpflegung Zutaten, Speisen oder einen Bio-Anteil als „Bio“ oder „Öko“ kennzeichnet, braucht nach der Bio-AHVV ein gültiges Zertifikat einer zugelassenen Kontrollstelle. Für Kitas und Schulen mit eigener Küche gibt es eine eingeschränkte Ausnahme.
Was bedeutet die Kontrollnummer DE-ÖKO-0xx?
„DE“ steht für Deutschland, „ÖKO“ für den ökologischen Landbau und die dreistellige Zahl für die Kontrollstelle, die den Betrieb kontrolliert. Die Nummer identifiziert also die Kontrollstelle, nicht den einzelnen Caterer.
Gibt es eine Bio-Zertifizierung nur für eine einzelne Veranstaltung?
Ja. Die Bio-AHVV sieht in § 14 ein Veranstaltungszertifikat für Veranstaltungen von höchstens zwei Monaten Dauer vor. Die Veranstaltung muss mindestens vier Wochen vorher bei einer Kontrollstelle und der zuständigen Behörde angemeldet werden.
Ist „regional“ dasselbe wie „Bio“?
Nein. „Regional“ ist kein gesetzlich geschützter Begriff und sagt nichts über die Anbauweise aus. „Bio“ und „Öko“ sind dagegen rechtlich geschützt und kontrolliert.