Regionales Catering: Was „regional“ bedeutet, welche Siegel es gibt und was Sie den Caterer fragen sollten

Redaktion sustainable-catering.eu · Stand 19. Oktober 2026

„Regional“ ist für Lebensmittel kein geschützter Begriff: Es gibt in Deutschland weder eine gesetzliche Definition noch eine feste Kilometergrenze. Jeder Caterer kann selbst festlegen, was er unter seiner Region versteht, solange die Angabe nicht irreführend ist. Echte Orientierung bieten nur klar benannte Regionen, kontrollierte Kennzeichen wie das Regionalfenster und nachvollziehbare Angaben zu Lieferanten. Wenn Ihnen regionales Catering wichtig ist, fragen Sie deshalb konkret nach.

Was das Recht zu „regional“ sagt

Die Lebensmittelinformationsverordnung, Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, verbietet in Art. 7 Informationen, die über Eigenschaften eines Lebensmittels täuschen, ausdrücklich auch über Ursprungsland oder Herkunftsort. Eine Definition, ab wann etwas „regional“ ist, enthält sie nicht. Der Begriff ist damit eine freiwillige Werbeaussage, die im Einzelfall nicht irreführend sein darf.

Für zubereitete Speisen im Catering beruhen Herkunftsangaben in der Regel auf freiwilligen Angaben des Anbieters. Das heißt für Sie: Ob „regional“ bei Ihrem Caterer 30 Kilometer, ein Bundesland oder „aus Deutschland“ bedeutet, erfahren Sie nur durch Nachfrage.

Geschützte Herkunftsangaben der EU

Rechtlich geschützt sind dagegen eingetragene Herkunftsbezeichnungen der EU: „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.) und „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.). Grundlage für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel ist seit Mai 2024 die Verordnung (EU) 2024/1143, die die frühere Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 abgelöst hat. Ein Produkt mit g.U. muss in allen Erzeugungsschritten aus dem genannten Gebiet stammen, bei g.g.A. genügt mindestens ein Schritt. Für ein Catering-Menü sind solche Spezialitäten eine gute Möglichkeit, regionale Herkunft belastbar zu zeigen, etwa bei Käse, Wurst oder Obst aus einem bestimmten Gebiet.

Das Regionalfenster

Das Regionalfenster ist ein freiwilliges Kennzeichen, das seit Januar 2014 im Handel eingeführt ist. Getragen wird es vom Verein Regionalfenster e.V. Die wichtigsten Kriterien:

  • Die Region muss klar benannt und kleiner als Deutschland sein, etwa ein Landkreis, ein Bundesland oder ein Umkreis in Kilometern. Grenzüberschreitende Naturräume sind möglich.
  • Die erste Hauptzutat und die wertgebenden Zutaten müssen zu 100 % aus dieser Region stammen.
  • Macht die erste Hauptzutat weniger als 51 % des Gesamtgewichts aus, müssen weitere Zutaten zu 100 % regional sein, bis mindestens 51 % erreicht sind.
  • Bei zusammengesetzten Produkten wird der Gesamtanteil regionaler Zutaten angegeben, außerdem der Verarbeitungsort.
  • Die Angaben werden jährlich von unabhängigen Zertifizierungsstellen kontrolliert.

Das Regionalfenster finden Sie vor allem auf Produkten im Lebensmittelhandel. Caterer, die solche Produkte einkaufen, können damit belegen, woher einzelne Zutaten stammen. Ein Siegel für das komplette Catering-Menü ist es nicht.

Weitere Zeichen

Einige Bundesländer vergeben eigene Qualitäts- und Herkunftszeichen, etwa in Bayern oder Baden-Württemberg. Daneben gibt es Zeichen von Regionalinitiativen und Erzeugergemeinschaften. Die Kriterien unterscheiden sich stark, ein Blick auf die Vergaberegeln lohnt sich.

Das EU-Bio-Logo sagt etwas über die Erzeugung, nicht über die Region. Neben dem Logo steht zwar eine Herkunftsangabe wie „EU-Landwirtschaft“, „Nicht-EU-Landwirtschaft“ oder ein Land wie „Deutschland-Landwirtschaft“ (Art. 32 Verordnung (EU) 2018/848), eine Region ist damit aber nicht gemeint. Mehr dazu im Ratgeber Bio-Zertifizierung im Catering.

Regional, saisonal, bio: die Unterschiede

Kriterium Was es beschreibt Gesetzlich geregelt? Wie Sie es prüfen
Regional Herkunft aus einem räumlich begrenzten Gebiet nein, nur Irreführungsverbot Definition der Region, Lieferantenliste, ggf. Regionalfenster
Saisonal Erntezeitpunkt passt zur Jahreszeit nein Saisonkalender, Menü zum Termin
Bio Erzeugung nach EU-Öko-Verordnung ja, Verordnung (EU) 2018/848 Öko-Kontrollnummer (DE-ÖKO-0xx), Bio-Zertifikat
g.U./g.g.A. eingetragene Spezialität aus einem bestimmten Gebiet ja, Verordnung (EU) 2024/1143 EU-Zeichen auf dem Produkt

Am stärksten wirkt die Kombination: regional und saisonal eingekauft, wo möglich in Bio-Qualität. Wie Sie ein saisonales Menü zusammenstellen, zeigt der Ratgeber Saisonale Menüs.

Ist regional automatisch nachhaltiger?

Kurze Wege, persönliche Beziehungen zu Erzeugern und Wertschöpfung in der Region sind gute Argumente. Für die Klimabilanz ist der Transport aber oft nicht der größte Faktor. Mehr Gewicht haben die Art des Lebensmittels (pflanzlich oder tierisch), die Anbauweise und ob Gewächshäuser beheizt werden. Regionale Erdbeeren im Juni sind eine gute Wahl, regionale Tomaten aus einem beheizten Gewächshaus im März eher nicht. Eine Ausnahme ist Flugware: Per Flugzeug transportierte Lebensmittel haben eine deutlich höhere Klimawirkung als per Schiff oder Lkw transportierte. Mehr dazu unter Klimafreundliches Catering.

Fragen an den Caterer

Mit diesen Fragen trennen Sie belastbare Angaben von Marketing:

  1. Wie definieren Sie „regional“? Ein Umkreis in Kilometern, ein Landkreis, ein Bundesland? Eine klare Antwort ist ein gutes Zeichen.
  2. Welche Zutaten in meinem Menü sind regional? Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Milchprodukte, Brot, Getränke? Bitten Sie um eine Aufstellung je Gericht.
  3. Mit welchen Erzeugern arbeiten Sie? Viele regionale Caterer nennen ihre Höfe, Metzgereien und Bäckereien gern namentlich.
  4. Welchen Anteil machen regionale Zutaten aus? Grob nach Wareneinsatz geschätzt reicht oft. Seien Sie skeptisch bei „100 % regional“, wenn Gewürze, Kaffee, Reis oder Öl im Spiel sind.
  5. Wie belegen Sie das? Lieferscheine, Rechnungen, Regionalfenster-Produkte, Herkunftszeichen.
  6. Was passiert bei Engpässen? Ersetzt der Caterer dann durch andere regionale Ware oder durch Importware? Spricht er das vorher ab?
  7. Gilt das auch für Getränke? Säfte, Wein, Bier und Mineralwasser aus der Region sind oft leichter zu bekommen als regionale Ware für jedes Gericht.

Weitere Prüfpunkte für das Angebot finden Sie in der Checkliste zur Caterer-Auswahl.

Was regional realistisch leisten kann

Ein Menü ganz aus der Region ist möglich, aber anspruchsvoll. Gewürze, Kaffee, Tee, Schokolade, Zitrusfrüchte, Reis und viele Öle wachsen nicht in Deutschland. Realistisch und glaubwürdig ist ein Catering, bei dem die mengenmäßig wichtigen Komponenten aus der Region kommen: Gemüse, Kartoffeln, Getreide und Brot, Milchprodukte, Eier und, falls angeboten, Fleisch. Kommunizieren Sie gegenüber Ihren Gästen lieber konkret („Kartoffeln und Gemüse vom Hof X, Brot von der Bäckerei Y“) als pauschal „alles regional“.

Regionale Herkunft gegenüber Gästen kommunizieren

Wenn Sie Wert auf regionale Zutaten legen, sollen Ihre Gäste das auch erfahren. Dabei hilft Konkretheit mehr als Schlagworte:

  • Menükarte oder Buffetschilder: Nennen Sie bei einzelnen Gerichten die Herkunft, etwa den Hof, die Metzgerei, die Käserei oder die Region.
  • Kurzer Hinweis in der Einladung: Ein Satz wie „Das Buffet kommt von einem Caterer, der Gemüse und Brot von Betrieben aus dem Umland bezieht“ genügt.
  • Ehrlich bleiben: Wenn Kaffee, Gewürze oder Reis importiert sind, ist das selbstverständlich und muss nicht verschwiegen werden. Unglaubwürdig wird es erst, wenn „100 % regional“ behauptet wird.
  • Allgemeine Umweltversprechen vermeiden: Pauschale Aussagen wie „umweltfreundliches Catering“ sind für Unternehmen gegenüber Verbrauchern rechtlich heikel. Konkrete Herkunftsangaben sind die bessere Wahl.

Bitten Sie den Caterer, Ihnen die Herkunftsangaben schriftlich zu geben. So können Sie sie ohne Risiko übernehmen.

Regionales Catering finden

Im Caterer-Verzeichnis finden Sie Anbieter je Stadt, die auf regionale und saisonale Küche setzen. Wenn Sie lieber Vorschläge erhalten möchten, nutzen Sie das Anfrageformular, wir melden uns mit passenden Caterern.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Kilometern gilt ein Lebensmittel als regional?

Dafür gibt es keine gesetzliche Grenze. Manche Anbieter verstehen darunter einen Umkreis von 50 oder 100 Kilometern, andere ein Bundesland oder eine Landschaft. Entscheidend ist, dass die Region klar benannt wird.

Ist regionales Essen automatisch bio?

Nein. Regional beschreibt die Herkunft, bio die Erzeugung nach Verordnung (EU) 2018/848 mit Kontrolle durch eine zugelassene Öko-Kontrollstelle. Ein regionaler Betrieb kann konventionell oder biologisch wirtschaften.

Was ist das Regionalfenster?

Ein freiwilliges Kennzeichen, das seit 2014 im Handel zu finden ist. Es zeigt, woher die Hauptzutaten stammen und wo verarbeitet wurde. Die Angaben werden jährlich von unabhängigen Zertifizierungsstellen kontrolliert.

Ist regional immer klimafreundlicher?

Nicht immer. Kurze Transportwege helfen, aber Anbauweise, Saison und Art des Lebensmittels wirken oft stärker. Tomaten aus einem beheizten Gewächshaus in der Nähe können eine schlechtere Bilanz haben als Freilandware aus Südeuropa.