Lebensmittelverschwendung bei Events und in Kantinen vermeiden: Planung, Restemanagement und Weitergabe
Redaktion sustainable-catering.eu · Stand 19. Oktober 2026
Lebensmittelverschwendung im Catering lässt sich vor allem durch Planung vermeiden: Legen Sie eine verbindliche Gästezahl fest, bestellen Sie Mengen pro Person nach realistischen Richtwerten statt mit großzügiger Reserve, lassen Sie das Buffet in kleinen Chargen nachfüllen und klären Sie vor dem Event, was mit Resten passiert. In Kantinen kommen Vorbestellung, flexible Portionsgrößen und das regelmäßige Messen von Resten dazu. Für eine Weitergabe an Tafeln oder Foodsharing gilt: Wer abgibt, bleibt für die Sicherheit der Lebensmittel verantwortlich.
Wie groß ist das Problem?
Das Umweltbundesamt beziffert die Lebensmittelabfälle in Deutschland für das Jahr 2023 auf 10,9 Millionen Tonnen entlang der gesamten Kette. Rund 58 % entfallen auf private Haushalte, 16 % auf Restaurants, Gemeinschaftsverpflegung und Catering. Die Außer-Haus-Verpflegung ist also nicht der größte, aber ein deutlicher Posten, und sie lässt sich gut steuern, weil Einkauf, Produktion und Ausgabe in einer Hand liegen.
Auch politisch steigt der Druck:
- Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (2019): Sie setzt auf Dialogforen mit den Branchen. Für die Außer-Haus-Verpflegung wurde 2021 eine Zielvereinbarung zwischen dem Bundeslandwirtschaftsministerium und Branchenverbänden unterzeichnet.
- EU-Abfallrahmenrichtlinie, geändert durch Richtlinie (EU) 2025/1892: Sie sieht verbindliche Reduktionsziele bis Ende 2030 vor, unter anderem 30 % weniger Lebensmittelabfälle pro Kopf in Handel, Gastronomie und Haushalten zusammen. Deutschland muss die Vorgaben noch in nationales Recht umsetzen.
Bei Events: Verschwendung vor dem ersten Bissen vermeiden
1. Gästezahl verbindlich machen
Die meisten Reste entstehen, weil für mehr Gäste bestellt wird, als tatsächlich kommen. Fragen Sie Zusagen verbindlich ab, setzen Sie eine Frist und geben Sie dem Caterer die finale Zahl so spät wie vertraglich möglich durch. Klären Sie im Vertrag, bis wann die Gästezahl angepasst werden kann.
2. Realistische Mengen pro Person
Caterer kalkulieren oft lieber zu viel als zu wenig. Vergleichen Sie das Angebot mit Richtwerten pro Person, die je nach Format, Uhrzeit und Dauer stark schwanken. Konkrete Gramm- und Stückzahlen finden Sie im Ratgeber Catering-Mengen pro Person.
3. Das passende Format wählen
Das Format beeinflusst die Reste deutlich:
| Format | Risiko für Reste | Was hilft |
|---|---|---|
| Buffet | Hoch, weil Schalen voll aussehen sollen | Nachschub in kleinen Chargen, kleinere Schalen gegen Ende |
| Flying Buffet | Mittel, Portionen sind festgelegt | Mengen eng an der Gästezahl planen |
| Serviertes Menü | Niedrig bis mittel | Vorab Menüwahl abfragen, Allergien klären |
| Fingerfood | Mittel | Wenige Sorten in passender Menge statt große Vielfalt |
Welches Format zu Ihrem Anlass passt, vergleicht der Ratgeber Fingerfood, Buffet oder Menü.
4. Buffet clever betreiben
- Nachschub in kleinen Chargen aus der gekühlten Küche, statt alles auf einmal aufzubauen
- Gegen Ende kleinere Schalen verwenden, damit das Buffet nicht leer wirkt
- Gerichte und Allergene klar beschriften, damit Gäste nicht „zum Probieren“ nehmen und stehen lassen
- Brot und Beilagen auf Nachfrage nachlegen, sie werden besonders oft weggeworfen
5. Reste-Plan vor dem Event
Klären Sie mit dem Caterer schon bei der Buchung, was mit übrig gebliebenen Speisen passiert: Mitnahme durch Gäste, Weitergabe an Personal, Spende oder Verwertung in einem späteren Imbiss. Mehrwegboxen sind dafür ideal, wie im Ratgeber Mehrweg statt Einweg beschrieben. Weitere Punkte für Firmenevents enthält der Ratgeber nachhaltige Firmenfeier.
In Kantinen: Messen, steuern, verwerten
In der Gemeinschaftsverpflegung lässt sich Verschwendung systematisch senken, weil täglich ähnliche Abläufe stattfinden. Bewährt hat sich ein einfacher Kreislauf:
- Messen: Getrennt erfassen, was in der Produktion übrig bleibt (Überproduktion), was an der Ausgabe zurückkommt (Ausgabereste) und was auf den Tellern liegen bleibt (Tellerreste). Eine Kennzahl wie Gramm Abfall pro Gast macht Fortschritte sichtbar.
- Steuern: Vorbestellsysteme, Prognosen auf Basis vergangener Essenszahlen, Portionsgrößen in mehreren Stufen und Nachschlag statt übervoller Teller.
- Verwerten: Nicht ausgegebene, richtig gekühlte Komponenten am Folgetag weiterverwenden, sofern Hygienekonzept und Verpflegungssystem das zulassen.
Wie sich das in Kantinen mit Pächter oder Eigenregie organisieren lässt, beschreibt der Ratgeber nachhaltige Betriebsverpflegung.
Lebensmittel weitergeben: Was Sie wissen sollten
Die Weitergabe von übrig gebliebenen Speisen ist sinnvoll, aber rechtlich nicht trivial. Hier die wichtigsten Grundsätze, ohne Anspruch auf Rechtsberatung:
- Verantwortung bleibt beim Abgebenden: Wer Lebensmittel abgibt, auch kostenlos, gilt als Lebensmittelunternehmer und muss sicherstellen, dass die Ware sicher ist (Verordnung (EG) Nr. 178/2002). Auch Tafeln sind Lebensmittelunternehmer mit eigenen Pflichten.
- Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum unterscheiden: Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums dürfen grundsätzlich weitergegeben werden, wenn sie einwandfrei sind. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums gelten sie als nicht sicher (Art. 24 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011).
- Zubereitete Speisen sind heikel: Gekochte Gerichte müssen durchgehend gekühlt oder heiß gehalten werden. Speisen, die bereits offen am Buffet standen, sind für eine Spende in der Regel ungeeignet. Nicht ausgegebene Speisen, die direkt nach der Produktion gekühlt wurden, eignen sich eher.
- Dokumentation: Halten Sie fest, was wann zubereitet, gekühlt und abgegeben wurde. Das schützt beide Seiten.
Tafeln und Foodsharing
Tafeln holen vor allem verpackte Ware und Frischware aus Handel und Produktion ab. Ob eine Tafel zubereitete Speisen annimmt, ist je nach Standort unterschiedlich, viele lehnen sie ab. Foodsharing-Initiativen arbeiten mit Betrieben zusammen, die Lebensmittel abgeben möchten, und haben eigene Regeln für Abholung und Hygiene. Sprechen Sie in beiden Fällen vorher mit den Verantwortlichen vor Ort. Praxisinformationen zum Spenden bietet die Initiative Zu gut für die Tonne! des Bundeslandwirtschaftsministeriums.
Gäste mitnehmen
Auch die Gäste tragen zu weniger Resten bei, wenn sie wissen, worum es geht. Bewährt haben sich einfache Signale:
- Ankündigen: Ein kurzer Hinweis bei der Einladung oder am Buffet, dass bewusst knapp kalkuliert und regelmäßig nachgefüllt wird, nimmt die Sorge, zu spät zu kommen.
- Kleinere Teller anbieten: Gäste nehmen dann eher mehrmals eine kleine Portion statt einmal zu viel.
- Mitnahme anbieten: Wenn Mehrwegboxen bereitstehen, nehmen Gäste übrig gebliebene Speisen gern mit nach Hause.
- Ergebnis teilen: Gerade bei Firmenevents oder in Kantinen motiviert es, wenn Sie berichten, wie viel weniger weggeworfen wurde.
In Kantinen kann eine Anzeige der täglichen Tellerreste oder eine Aktionswoche mit Restemessung die Aufmerksamkeit erhöhen. Wichtig ist, dass solche Aktionen informieren und nicht belehren.
Was am Ende trotzdem übrig bleibt
Unvermeidbare Reste wie Schalen oder Knochen und nicht mehr verzehrfähige Speisen gehören in die Bioabfall- bzw. Speiserestesammlung. Speisereste aus Großküchen werden häufig in Biogasanlagen verwertet. Das ist besser als der Restmüll, aber jede Portion, die gar nicht erst zu viel produziert wird, spart Geld, Arbeit und Ressourcen.
Checkliste für Ihr nächstes Event
- Verbindliche Gästezahl mit Rückmeldefrist
- Mengen pro Person mit Richtwerten abgleichen
- Format bewusst wählen, Buffet in Chargen nachfüllen
- Speisen und Allergene beschriften
- Reste-Plan und Mehrwegboxen vereinbaren
- Weitergabe vorab mit Tafel oder Initiative klären
Passende Caterer, die Restemanagement ernst nehmen, finden Sie im Caterer-Verzeichnis.
Häufige Fragen
Darf ein Caterer Reste vom Buffet an eine Tafel geben?
Rechtlich ist eine Weitergabe möglich, wenn die Lebensmittel sicher sind und die Hygieneregeln eingehalten werden. Speisen, die längere Zeit offen am Buffet standen, nehmen viele Tafeln und Initiativen aus Hygienegründen nicht an. Klären Sie die Bedingungen deshalb vor dem Event.
Dürfen Lebensmittel nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum weitergegeben werden?
Grundsätzlich ja, wenn sie einwandfrei sind und der Abgebende das geprüft hat. Lebensmittel nach Ablauf des Verbrauchsdatums gelten dagegen als nicht sicher und dürfen nicht mehr abgegeben werden (Art. 24 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011).
Dürfen Gäste Reste mit nach Hause nehmen?
Das ist üblich und sinnvoll, sollte aber mit dem Caterer abgesprochen sein. Viele Caterer geben Reste in Mehrwegboxen mit und weisen darauf hin, dass die Speisen gekühlt und zügig verzehrt werden müssen.
Wie viel Puffer sollte man bei der Menge einplanen?
Eine feste Regel gibt es nicht. Bewährt hat sich, die Mengen an der verbindlichen Gästezahl auszurichten und den Puffer klein zu halten, statt pauschal für deutlich mehr Gäste zu bestellen.